Moose und Flechten sind faszinierende Gebilde der Natur, denen oft allzu wenig Beachtung geschenkt wird. Sie sind unglaublich vielfältig und anpassungsfähig, in unseren Breiten zählen wir rund 1000 Arten von Flechten und doppelt so viele Moose.

Sie besiedeln besonders Moor-, Wald- und Heideböden, ausgehagerte Wald-, Wiesen- und Ackerränder und darüber hinaus zahlreiche Sonderstandorte an denen Blütenpflanzen nicht gedeihen können: Felsen, Steine, die Rinde lebender oder toter Bäume, festes und modriges Holz. In Menschennähe wachsen sie auf Mauern, Bretterwänden, Zäunen, Dächern und dergleichen. Besonders üppig ist die Flechten- und Moosflora in den alpinen Zwergstrauchheiden und Felsblockhalden und in luftfeuchten Berg- und Gebirgswäldern.

Das Aussehen von Moosen und Flechten ändert sich im Laufe eines Jahres kaum. Eine jahreszeitliche Veränderung kann bei Moosen nur etwa in dem gleichen Ausmaß wie bei immergrünen Nadelhölzern festgestellt werden. Bei Flechten ist der Wechsel von Wachstums- und Ruheperioden zumindest bei äußerlicher Betrachtung überhaupt nicht zu erkennen. Sie sehen jahraus jahrein gleich aus. Wenn die Blüh- und Fruchtphase der anderen Pflanzen vorbei ist fallen sie besonders auf. Der Spätherbst und der Vorfrühling, aber auch schneefreie Zeiten im Winter sind Gelegenheiten zur bewussten Betrachtung von Moosen und Flechten.

Diesen unscheinbaren Gewächsen kommt eine unschätzbare Bedeutung für die Gesamtnatur zu. Das gilt im besonderen für den Lebensraum “Wald”. Moose sind aufgrund ihrer Wasserspeicherkapazitäten von außerordentlicher Wichtigkeit für den Wasserhaushalt des Waldes und damit gleichzeitig für das ihm eigene Kleinklima. Große Bedeutung haben sie auch für alle anderen wasserspeichernden Landschaftsformen. Wenn sie in ausreichendem Maß vorkommen können sie Witterungsperioden sowohl von zuviel als zuwenig Wasser ausgleichend beeinflussen.

Der Moosrasen dient weiters vielen Kleinstlebewesen als Brutstätte, Wohnraum und Überwinterungsquartier.

Moose und Flechten benötigen ganz spezielle Licht- und Feuchtigkeitsverhältnisse und einen austarierten PH-Wert. Sie verändern daher den Untergrund ihren Ansprüchen gemäß und tragen so zur Regeneration des Bodens bei. Ein geschulter Blick auf das Moos- und Flechtenvorkommen eines Geländes, ermöglicht eine eindeutige Beurteilung der Bodenqualität.

Moosrasen bilden günstige Keimbetten für die Samen der Bäume und anderer Gehölze. Sie schaffen so die ideale Voraussetzung für eine gesunde Naturverjüngung.

Es gibt unter den Moosen und Flechten Arten die nur auf Mineralböden oder Steinen wachsen, sie sind die Pioniere der Bodenbildung – die ersten Vorposten des organischen Lebens auf Fels und Sand. Wenn man das in letzter Konsequenz denkt, kommt man zu dem Schluss, dass ohne diese unscheinbaren Pflanzen all unsere Gebirge kahl wären, in Wahrheit jede Bodenbildung seit den Urzeiten von ihnen vorangetrieben wurde.

Sie sind heute auch unverzichtbare Indikatoren für die Qualität von Boden, Luft und Niederschlagswasser. Durch ihr Vorkommen oder Fehlen und wenn sie vorhanden sind, durch ihren Zustand, zeigen sie verlässlich wie es um die Umwelt bestellt ist.

Eines bleibt noch zu erwähnen, sie  erfreuen mit ungeahnter Schönheit. Von dieser können Sie sich in diesem kurzen Film überzeugen und vielleicht inspiriert er Sie dazu hinaus zu gehen und sie in der Natur zu bewundern.

Link anklicken und Video auf Youtube ansehen:

Flechten, Moose, Pilze im Winter

Flechten

Flechten sind Doppelorganismen, sie bestehen aus einer Alge und einem Pilz. Die beiden gehen in Form der Flechte ein symbiotisches Verhältnis ein. Der Pilz gibt die Form und die Alge, da sie Chlorophyll enthält, betreibt Photosynthese und sorgt somit für die Nährstoffversorgung. Man unterscheidet sie nach Wuchsformen in Strauchflechte, Blattflechte und Krustenflechte.

Flechten kommen in den verschiedensten Farben vor und erobern selbst unwirtlichste Umgebungen, wie reine Gesteinsformationen oder Kältegebiete. Sie produzieren Säuren, mit denen sie anorganische Untergründe korrodieren und dadurch gelingt es ihnen sich dort festzuhalten

Das bekannte Isländisch Moos ist eigentlich eine Flechte. Die Droge enthält Schleimstoffe und bitter schmeckende Flechtensäuren, sie wird als linderndes Mittel bei Bronchitis und Kehlkopfkatarrh verwendet.

Die bei uns bekannteste Krustenflechte ist sicherlich die gesteinsbewohnende Landkartenflechte. Im Gebirge erklimmt sie Höhen von bis zu 4000 Metern. Sie wächst sehr langsam und kann ein Alter von mehreren hundert, manchmal tausend, Jahren erreichen.

Moose

Innerhalb der Familie der Moose besteht eine große Formenfülle. Der aufmerksame Beobachter ist sicherlich fasziniert von der Vielgestaltigkeit dieser Pflanzen. In der Botanik unterscheidet man zwei Klassen von Moosen: Die Lebermoose und die Laubmoose, denen als besondere Untergruppe die Torfmoose zugerechnet werden.

Diese Torfmoose sind die Erbauer der Hochmoore. Hochmoore sind ganz besondere Lebensräume, die eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt beherbergen. Dazu gehört z.B. der Sonnentau, eine kleine fleischfressende Pflanze. Hochmoore speichern ausserdem grosse Mengen an CO2 und spielen daher eine wichtige Rolle im Ökosystem. Ohne die Torfmoose gäbe es diesen Lebensraum nicht.

Moose haben eine natürliche antiseptische Wirkung, sie töten Pilze und Bakterien und waren daher früher ein begehrter Wundverband. Auch bei Fußpilz und anderen Hautpilzen soll Moos wirksam sein. Von Indianern wurde Moos als Windelfüllung verwendet, so dass der Babypopo keimfrei blieb und sich nicht entzündete.

Im Zusammenhang mit der antiseptischen Wirkung sei noch das Abmoosen erwähnt. Abmoosen ist der Vorgang, wenn man ein Stück lebenden Ast über Wochen in Moos einpackt, damit er neue Wurzeln produziert. So erhält man eine neue Pflanze, die man später abschneiden und einpflanzen kann. Diese weist dann mit Sicherheit keinerlei Fäulnis oder Krankheiten auf.